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Freitag, den 10. Februar 201200:22 Uhr

Wie ein regionales TK-Unternehmen das Fürchten lehrt

07.03.2009, Beitrag von

Nach der letzten Sitzung im Wirtschaftsausschuss vom Stadtrat konnte man genauer erfahren, dass ein bekannter TK-Anbieter einen kleinen Teil seiner Mitarbeiter, zugunsten eines Billig-Anbieters im Callcenterbereich, fallen lässt.

So werden die sehr erfahrenen und mit sehr guten Kenntnissen ausgestatteten technischen Mitarbeiter ihren Platz zum Vorteil eines anderen externen Anbieters (Callcenters) verlassen müssen.

Da es sich um befristete Arbeitsplätze handelte und es rechtlich überhaupt nicht zu beanstanden ist, mag die eine legitime Sichtweise, die eines Unternehmers, sein. Trotzdem sollte hier die Frage gestellt werden, wie viel Menschlichkeit und Verantwortung so ein altes regionales Unternehmen überhaupt noch aufweist, wenn trotz (auch wohl für die Zukunft schon absehbarer) guter Bilanzen die Arbeit aus derzeit  nicht nachvollziehbaren Kostengründen verlagert wird.

Als äußerst fragwürdig muss man dazu die anfangs von der Geschäftsführung ausgesprochene “Drohung mit Folgen” deuten, dass die Mitarbeiter z.B. auf eine Art “Blacklist” für Arbeitgeber eingetragen werden würden (so nach Aussagen der Mitarbeiter), nur weil man sich Hilfe suchend an den Bürgermeister bzw. den Rat der Stadt Oldenburg und Ver.di wandte. Dieses Vorgehen lässt vage an eine Zeit erinnern, wo kritische Worte oder auch Texte, welche an die Öffentlichkeit gerichtet waren, mit dem Tode bestraft wurde. Sollte sich die Geschichte hier in etwa hier wiederholen und eine Meinungsäußerung bestraft werden? Leider wurde diesem Sachverhalt in der öffentlichen Presse nur sehr wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Gibt es hier eine Art Einflussnahme oder lässt die derzeitige Wirtschaftskrise die letzten Funken Menschlichkeit verrohen? Es lässt sich wohl sonst nicht erklären, dass nur auf Druck von Ver.di ein örtlicher Artikel, neben Britney Spears, Prinz Charles, DSDS & Co. und den derzeitigen Erfolgen des Unternehmens (z. B. Berliner Büro) auch mal ein Artikel mit einer anderen (kritischen) Sichtweise und Problemdarstellung der Problematik “Auslagerung” erschien.

Wie sollen in Zukunft Störungen oder Problemfälle kompetent, schnell und makellos für alle abgewickelt werden, wenn wahrscheinlich (davon ist jedenfalls derzeit auszugehen) ungelernte Kräfte die Systeme mit bedienen sollen. Warum erfahren Kunden nichts davon? Selbst nicht davon, dass man eine teure Hotline-Nummer in Zukunft einführen möchte? Wenn doch alles so reines Gewissen wäre, warum wird dann keine offizielle Stellung bezogen oder Aufklärung betrieben? Warum hatte man die Mitarbeiter, trotz Nachfragen, noch bis Anfang Januar im Unklaren gelassen?

Gerade weitere Aufklärung würde hier auch  jetzt sicherlich Not tun, weil man den Mitarbeitern angeboten hatte, für weniger Gehalt, die Arbeit im Callcenter fortzuführen und man ihnen nunmehr mitteilte, dass man sie nun nicht mehr nehmen würde, da der Bedarf von außen inzwischen gedeckt wurde. Sollten jetzt Langzeitarbeitslose eingestellt werden, welche mit öffentlichen Mitteln bei der Einstellung bezuschusst werden, wäre hier eine kritische Begutachtung seitens der Behörde sicherlich angebracht; schließlich fallen gerade jetzt ältere Arbeitnehmer in die Arbeitslosigkeit, welche dort (wenngleich auch nur für einen Hungerlohn) hätten anfangen können. Diese hätte ohne vorheriges Anlernen sofort ihre Arbeit aufnehmen können.

In Zukunft wird es vielleicht dann so heißen, bei Störungen drücken sie die 1 und bei weiteren Problemen die 2. Fassen Sie sich in beiden Fällen aber kurz, die Minute kostet vielleicht 99 Cent ö. ä.. Nun denn, so werden die meisten sich sicherlich nur sehr kurz fassen oder auch gar nicht mehr anrufen. Also verständlich, wenn man dann die Kompetenz oder auch die Mitarbeiter nicht mehr braucht.

Aktualisiert am 7. März 2009

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11 Kommentare zu “Wie ein regionales TK-Unternehmen das Fürchten lehrt”

  1. 1 oldenburg78 - 7. März 2009 um 22:58 Uhr

    Na wenn das nicht mal der 2 Artikel zur EWE TEL ist.
    Wusste gar nicht das das schon Thema im Wirtschaftsausschuss war. Langsam nimmt das ja echt Ausmaße an. Ich hoffe nur bald gibt es da ein Happy End. Wäre schön wenn man davon auch was hören würde wie es am Ende des Monats ausgegangen ist.
    Hier noch ein Link von einen Bericht von O1: http://www.youtube.com/watch?v=tPz9uCKdp4U

  2. 2 Michael - 8. März 2009 um 09:11 Uhr

    Herr Schulz sagt in diesem Beitrag, dass es sich nicht lohnt, diese Mitarbeiter zu beschäftigen – auf der anderen Seite gibt es viele Kunden in Oldenburg, denen nicht geholfen wird. Dann heißt es wiederum es ist kein Geld da. Wenn jedoch etwas Kulturelles gefördert wird und eine Pressekonferenz einberufen wird, schmeißen gerade diese Menschen mit Summen um sich, das mir schlecht wird und ich darüber nicht mehr berichten mag. Eine Sünde vor dem Herrn ist weiter auch die kostenpflichtige Rufnummer für Bestandskunden; es müsste viel mehr Alternativen geben.

  3. 3 E. Weler - 8. März 2009 um 11:45 Uhr
  4. 4 Uschi - 8. März 2009 um 12:42 Uhr

    Es wird Zeit, dass sich in diesem Land die Verhältnisse ändern. Es kann nicht angehen, dass es immer mehr Menschen (Unternehmen) gibt, die immer mehr verdienen und immer mehr Menschen auf der anderen Seite, die schon den ganzen Tag malochen und am Ende des Tages, dank Niedriglohn und Zeitarbeit trotzdem nicht mehr in der Tasche haben wie vor vielen Jahren und dann vielleicht noch ALG2 als Ergänzung empfangen dürfen.
    Ich bleibe dabei: Solange ein Familienvater oder Familienmutter ;-) mit seinem/ihrem Einkommen allein, keine Familie ernähren kann (so wie bei mir, ich habe noch nicht mal 1000 EURO netto in einem Callcenter), stimmen die Verhältnisse nicht mehr. Es wird Zeit, dass diese Politiker mit ihrer asozialen Politik vom Wähler abgewählt werden.

  5. 5 Rita bohr - 8. März 2009 um 16:41 Uhr

    Ich bin Indirekt mit diesen Thema auch betroffen, da ein Familienmitglied davon betroffen ist.
    Aber eine aussage kann ich zu diesen Thema nicht so stehen lassen, das es in der Öffentlichkeit
    nicht wahrgenommen wird. Ich arbeite bei einen Friseur und da kommt man schnell ins Gespräch, besonders
    auch zu diesen Thema und die meisten haben davon schon was gehört und sind natürlich schockiert über
    die EWE und können das nicht verstehen. Auch wenn man in der Presse nicht davon viel liest wissen viele
    von diesen Thema. Den Oldenburg ist halt ein Dorf und da spricht sich sowas schnell rum.
    Ich wünsche mir, das die Geschäftsleitung ein einsehen mit den Mitarbeiten haben und die Leute weiterbeschäftigt.

  6. 6 Der große Lord - 8. März 2009 um 18:53 Uhr

    Hier muss wohl mal etwas aufgeklärt werden:
    1. Die Mitarbeiter hatten einen befristeten Vertrag, der ausläuft.
    2. Die Mitarbeiter wussten daher schon von Anfang an, dass sie sich um etwas neues kümmern müssen.
    3. Das Unternehmen muss kostensenkend arbeiten, auch um die Lohnnebenkosten weiter senken zu können.
    4. Das Unternehmen muss auch neben der Konkurrenz weiter bestehen können.
    5. Der externe Anbieter muss auch überleben können und benötigt daher diese Art von Zuarbeit
    6. Kein Kunde ist verpflichtet anzurufen und braucht daher auch keine Extra-Kosten zu befürchten.
    7. Diese Art von Publizierung ist nicht die feine Art, um Danke für den bisherigen Arbeitsplatz zu sagen
    8. Dass sich der Arbeitgeber noch um Anschlussarbeit kümmert, ist nicht selbstverständlich.
    9. Die Einsparungen kommen jedem neuen und Bestands-Kunden zugute.
    10. Um Auslagerung handelt es sich nur, wenn ein kompletter Bereich abgegeben wird. Hier ist es nur ein Teil davon. Bitte einmal richtig definieren.

  7. 7 Suppenkasper - 8. März 2009 um 19:48 Uhr

    @”Der große Lord”!!!

    Denkfehler 22: “Die Lohnnebenkosten sind zu hoch.”

    Auszug aus Albrecht Müller, „Die Reformlüge …“,
    Variationen zum Thema:

    * »Wir müssen die Lohnnebenkosten senken, dann geht es wirtschaftlich aufwärts.«
    * »Wir sollten die soziale Sicherung über Steuern bezahlen. Dann ist der Faktor Arbeit entlastet.«
    * »Von Lohnnebenkosten entlastete Minijobs bringen Arbeit.«

    »Lohnnebenkosten« dürfte haarscharf an der Nominierung zum Wort des Jahres vorbeigeschrammt sein. Es gibt wenige Wörter, die in der politischen Debatte eine so große Rolle spielen wie dieser Begriff. Fast scheint es, als hätte eine ganze Reihe von politischen Persönlichkeiten ihr gesamtes ökonomisches Wissen um diesen Begriff herum organisiert. »Lohnnebenkosten« – das ist parteiübergreifend der Schlüsselbegriff für wirtschafts- und gesellschaftspolitische Analysen; in der Erweiterung »Lohnnebenkosten senken« wird er zum Allheilmittel jeder Therapie. Vor dem Hintergrund der Annahme, wir hätten deshalb eine so hohe Arbeitslosigkeit, weil Arbeit bei uns zu teuer sei, ist die Senkung der Lohnnebenkosten einer der Grundgedanken der Reformdebatte. Wenn es nur gelänge, die Lohnnebenkosten, zu senken, würde es bestimmt gleich aufwärts gehen! Dieser Satz ist unter den Eliten der Republik, bei Politik und Wirtschaft, bei Publizistik, Wissenschaft und Bildungsbürgertum, höchst populär – ein anschauliches Beispiel für die perfekte Gleichschaltung in der modernen Mediengesellschaft.

    Unverständliche Fixierung auf Lohnnebenkosten

    Besonders anschauliche Beispiele für die Fixierung auf das Thema »Lohnnebenkosten« sind die beiden BündnisGrünen-Fraktionsvorsitzenden Krista Sager und Katrin Göring-Eckardt, die CDU-Vorsitzende Angela Merkel und die Wirtschaftsexperten im Kanzleramt. Da kaum anzunehmen ist, dass sie alle dieselben Ghostwriter beschäftigen, haben die Redenschreiber und Planungsstäbe vermutlich die gleichen Zulieferer aus den Reihen der Systemveränderer, die den Schlüsselbegriff »Lohnnebenkosten« als Hebel in der Reformdebatte einsetzen.
    Bitte hier weiterlesen:
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=249

  8. 8 R. B. - 9. März 2009 um 08:47 Uhr

    Hallo Großer Lord

    Also muss jetzt jeder der einen befristeten Vertrag hat um einen neuen Job kümmern…es ist doch normal das die Verträge befristet werden heutzutage. War deiner bestimmt auch und hattest du dir was neues gesucht?
    und ich weiß 100% das die Kollegen da, davon ausgegangen sind das es weitergeht. Selbst die Vorgesetzten sind davon ausgegangen. Nach 3 Jahren könnte man sich das auch schon denken, das man nicht so vor die Tür gesetzt wird.

    dann sind deine andern Argumente nur Kostenersparnis:
    Ok, das ist verständlich, aber das sollte nicht auf kosten von Service gehn. denn da lag immer der große unterscheid zur DTAG 1und1 und wie sie alle heissen.

    Für ein aussenstehenden ist das so: Soviel leute müssen gehen und werden an andere Stelle billiger ersetzt. as ist für mich auslagerung.

    Bitte erst Informiern und dann schreiben, ich habe gerade extra noch einen Betroffenden angerufen,solltest du vieleicht auch mal tun.

  9. 9 Karin R. - 9. März 2009 um 10:55 Uhr

    Hier muss wohl mal etwas aufgeklärt werden:

    /1. Die Mitarbeiter hatten einen befristeten Vertrag, der ausläuft./
    Nahezu alle Mitarbeiter des Unternehmens haben befristete Verträge, sie
    laufen dennoch nicht aus.

    /2. Die Mitarbeiter wussten daher schon von Anfang an, dass sie sich um
    etwas neues kümmern müssen./
    Sie hätten es bestenfalls ahnen können, tatsächlich ist ihnen aber immer
    wieder eine Weiterbeschäftigung in Aussicht gestellt worden.

    /3. Das Unternehmen muss kostensenkend arbeiten, auch um die
    Lohnnebenkosten weiter senken zu können./
    Auf die Lohnnebenkosten haben die Unternehmen in Deutschland keinen
    Einfluß. Lohnnebenkosten entstehen in der Hauptsache durch Sozialabgaben.

    /4. Das Unternehmen muss auch neben der Konkurrenz weiter bestehen können./
    Das kann es, zum Beispiel durch guten und fachkundigen Service, als
    Partner der Kunden.

    /5. Der externe Anbieter muss auch überleben können und benötigt daher
    diese Art von Zuarbeit/
    “Zuarbeit” in welcher Form? Mehr Aufträge? Eingliederungsgeld vom
    Arbeitsamt? Schulungsmaßnahmen durch Personal der EWE Tel? Rekrutierung
    von Personal durch Freisetzung beim alten Arbeitgeber?

    /6. Kein Kunde ist verpflichtet anzurufen und braucht daher auch keine
    Extra-Kosten zu befürchten./
    siehe 4. Guter Service trennt die Spreu vom Weizen. Wenn sie Anrufen
    könnten erzeugt das das Gefühl, gut bei ihrem Anbieter aufgehoben zu
    sein und steigert die Neigung Verträge zu verlängern.

    /7. Diese Art von Publizierung ist nicht die feine Art, um Danke für den
    bisherigen Arbeitsplatz zu sagen/
    Kaum zu glauben, das die Mitarbeiter bisher aus einem Anfall von
    Altruismus heraus beschäftigt wurden. Der Arbeitgeber hat Geld mit ihnen
    verdient, danke sagen braucht hier niemand. Die feine Art ist es im
    Übrigen auch nicht mit dem Staatsanwalt zu drohen, wenn sich jemand über
    den Verlust seines Arbeitsplatzes beklagt.
    /
    8. Dass sich der Arbeitgeber noch um Anschlussarbeit kümmert, ist nicht
    selbstverständlich./
    Stimmt, ist auch in diesem Fall nicht passiert. Wäre auch nicht nötig
    gewesen, wenn die Versprechungen eingehalten oder zumindest frühzeitig
    über die Entlassung informiert worden wäre.

    /9. Die Einsparungen kommen jedem neuen und Bestands-Kunden zugute./
    Inwiefern? Die Preise für Telefon und DSL bleiben gleich,
    Serviceleistungen werden teurer und deren Qualität vermindert.
    /
    10. Um Auslagerung handelt es sich nur, wenn ein kompletter Bereich
    abgegeben wird. Hier ist es nur ein Teil davon. /
    der komplette Privatkundenbereich, der komplette Störungsbereich. Halben
    Sachen werden hier in der Tat nicht gemacht.
    /
    Bitte einmal richtig definieren./

    Zehn von zehn falsch!

  10. 10 FuZoo - 9. März 2009 um 11:33 Uhr

    @ Der große Lord: Ah, die EWE Tel-Pressestelle hat gesprochen.

  11. 11 Nur für den grossen Lord - 10. März 2009 um 18:12 Uhr

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