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Marschwegstadion Oldenburg – Wäsche aufhängen ab jetzt verboten!

18.08.2008, Beitrag von

digiWas sich eher wie ein schlechter Witz liest, sieht erneut nach einer unnötigen und willkürlichen Aktion von Schreibtischtätern aus. Bis zum heutigen Montag sieht es jedenfalls so aus, als wenn wieder ein Stück lieb gewonnener Fußballkultur unnötig weichen muss…Wer sich in Sportstadien einmal umgesehen hat, der wird sie bemerkt haben, die Fanbanner.

Ein solches Banner, oft mit viel Herzblut und Bastelarbeit von kleinen Fantruppen gefertigt, ist so in etwa das, was früher die mit Stolz vor der marschierenden Truppe hergetragene Fahne bedeutet. Das Erkennungszeichen einer Einheit, wenn man so will.

Und so, wie damals mit allem Einsatz die Fahne hochgehalten und verteidigt wurde, wird heute das Fanbanner stolz hergezeigt und notfalls auch verteidigt.

Verteidigt nicht mehr im Sinne von Kämpfen und Gefechten sondern heutzutage eher  häufiger gegen die Funktionäre der Verbände, Sicherheitskräfte und wohl jetzt gerade auch in Oldenburg gegen allzu eilfertige Schreibtischtäter. Gegen diejenigen also, denen man grundsätzlich kein Wissen um die wichtige Bedeutung dieser Banner unterstellen sollte.

Bisher, und das galt für Jahrzehnte, wurde es nicht nur geduldet, dass diese Wahrzeichen der Fans an Zäunen und anderen Befestigungsmöglichkeiten prangten. Sie wurden vielmehr immer wieder wohlwollend bestaunt und in den Medien gezeigt. Je größer die Fangemeinde, je mehr Banner sammelten sich um den Verein an.

Diese Abbilder lebendiger Fankultur sind bunte und meist sehr originelle Beweise für die Beliebtheit der jeweiligen Sportklubs. Sie sind zwar in einigen Fällen schon einmal in der Wortwahl etwas martialisch, aber immer mit dem nötigen Augenzwinkern dahinter.

Und sie sind Ausdruck gerade der Fans, die aus eher sozial schwächeren Schichten kommen, die im Verein schlicht den Mittelpunkt ihres Lebens finden. Die sich oft als die besten Fans sehen, in aller Regel mit ihrem Verein durch dick und dünn gehen. Wenn der Verein gerade nicht unterwegs ist, treffen sich diese kleinen und größeren Gruppen, werkeln an ihren Zaunfahnen, Bannern oder entwerfen Spruchbänder und T-Shirts. Ganz gewiss besser, als untätig um die Häuser zu ziehen.

Und am Wochenende, wenn der Klub dann endlich spielt, dann ist Showtime! Die Banner werden mit einer gewissen Ehrfurcht entrollt, an den Zäunen installiert und dann wird dahinter gejubelt, gesungen oder auch mal geweint. Alles für den Verein, alles für’s Team. Wurde gewonnen, zelebriert man dann mit den Helden zusammen am Zaun die Humba! Das alles zusammen macht für viele noch den echten Fußball aus.

Auf der anderen Seite, so muss man es schon formulieren, gibt es die Fußball Bundesligen, die Verbände und deren Promitrabanten aus der Politik und den Organisationen, wie die der Polizei und sonstiger Sicherheitskräfte.

In einer Arena heutiger Prägung, wie der Allianz-Arena-München, da ist kein Platz mehr für die von ganz unten. Die eisernen Fans, die Fußball sehen wollen und keine Millionärsparty bei Hummer und Kaviar. Da haben die Banner und Fahnen keinen Platz mehr, sie könnten wichtige Werbeflächen verdecken, die Kameras von der Werbung zu den viel viel originelleren Transparenten weglocken. Und die Gesänge stören beim Versuch, den neuen Operetten-Klopps von T-Online auch richtig geniessen zu können. Ja, Paul Potts, oder wie die Stimmungskanone heißt, verzog griesgrämig sein Gesicht, als die erwartungsfrohen Fans auf den billigen Plätzen seinem sterilen Operngesang nicht so recht lauschen wollten. So manchem Partygirl schwappte ob dieses Affronts doch glatt der Schampus aus dem Kelch. Dieser Pöbel, buntbemalt und stimmgewaltig wollte doch tatsächlich endlich den Anstoß sehen und hatte für das Operngedöns und den ganzen Feuerzauber nix, aber auch rein gar nix übrig! Shoking!

Genau… Fußball ist nur in der Bundesliga eine bierernste Veranstaltung, in den kleinen Stadien darum herum tobt noch das Leben. Da wo die Amateure und Halbamateure Woche für Woche über die Kleinstädte, Dörfer und Örtchen ziehen, da ist noch Leben in diesem Sport. Da bekommen sie alle noch eine günstige Karte, diejenigen, die sich schon ein Auswärtsspiel nicht mehr leisten können, geschweige denn einen Kredit für eine Bundesligaeintrittskarte aufnehmen wollen…

Im Stadion um die Ecke ist das Fußballerlebnis noch ein ganz direktes und ganz anders, als man es aus dem Fernsehen kennt.

Und zu dieser echten Party gehören einfach die Banner, Zaunfahnen, Fahnen und Transparente. Nicht jedes Transparent, da ist schon mal Schrott dabei, aber die Masse ist originell und unterhaltsam.

Diese will man nun verbannen, wo sie den Einblick in die Fanblocks verdecken. Offiziell, um in Not gekommenen Menschen schneller zu Hilfe kommen zu können. Dadurch, dass man den Bereich besser einsehen kann. Sicher steckt dahinter auch der Wunsch, Fankrawalle und das Zünden von Räucherkerzen besser in den Griff zu bekommen.

Auslöser für diese Maßnahmen könnten die Krawalle vergangener Spieltage vor allem im Osten der Republik gewesen sein. Da haben sich wohl Funktionäre der Verbände und die Sicherheitskräfte zusammen gesetzt und das ausgeheckt. Ist jedenfalls mein Verdacht.

Krawalle, Zünden von Räucherkerzen und Unfälle zu verhindern, ist ja in jedem Fall ein richtiger Ansatz. Aber man schießt da, gerade in Oldenburg, mit dieser Entscheidung weit übers Ziel hinaus.

Ohne Not nimmt man jetzt rund einem Dutzend Fanklubs ihre Identität, nimmt ihnen schon wieder ein wenig Spaß am Fußball.

Ich denke, das geht entschieden am Ziel vorbei, da ist ein Kompromiss fällig. Sollte die Stadt Oldenburg allein entscheiden können, dann sollte man der bisher nicht negativ auffälligen Fankultur in Oldenburg auch Tribut zollen und es würdigen, dass weder hinter den Bannern noch sonst wo nennenswerte Vorfälle passierten. Etwas Vertrauen in den Verein, der das besser entscheiden kann, sollte man beweisen.

Ich würde diese Entscheidung der Vereinsführung überlassen. Die werden schon das richtige Maß finden.

Banner haben noch nie jemandem Schaden zugefügt!

Darauf eine Humba!

Aktualisiert am 18. August 2008

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13 Kommentare zu “Marschwegstadion Oldenburg – Wäsche aufhängen ab jetzt verboten!”

  1. 1 Cindy - 18. August 2008 um 18:06 Uhr
  2. 2 rr - 18. August 2008 um 20:00 Uhr

    der empörung des autors kann ich voll und ganz zustimmen.
    nur 2 anmerkungen noch: die begründung, in not geratenen personen schneller helfen zu können, ist extrem albern; schließlich laufen in (fast?) jedem fanblock sog. “szenekundige beamte” herum, die hilfe leisten könnten/müssten. das wäre doch mal eine sinnvolle tätigkeit!
    die 2. anmerkung hat dann doch wieder was mit herummäkeln zu tun: ich finde es falsch, die banner in oldenburg mit dem hinweis zu verteidigen, dass noch nie was passiert ist und das die vfb-fans so lieb sind (manchmal sogar zu lieb). angebracht wäre die forderung, banner in allen stadien weiterhin zuzulassen, solange sie nicht rassistisch, sexistisch oder volksverhetzend sind. und natürlich der aufruf an alle fußballfans solche banner selbst zu entsorgen.
    für schönen fußball – sitzen ist für´n arsch

  3. 3 Blaue Zitrone - 19. August 2008 um 08:07 Uhr

    Der Autor trifft den Nagel auf den Kopf. Eine solche Regelung verstößt nicht nur gegen das Gebot der Verhältnismäßigkeit, sie ist auch sachlich unsinnig und kann nur einem regelungswütigen Funktionärs- oder Bürokraten-Hirn entsprungen sein.
    Der VfB-Freundeskreis “Blaue Zitrone” solidarisiert sich deshalb mit den Fans, die gegen ein Verbot demonstrieren.

  4. 4 James - 19. August 2008 um 14:18 Uhr

    Hallo Cindy. Wenn Dir diese Begründung reicht, dass es eine sogenannte “neue Sportstättenverordnung” gibt, dann soll es so sein. Ich sehe das anders. Vor allem sehe ich nichts. Wo kann man diese Verordnung einsehen? Wo ist sie zu Papier gebracht, und wer hat das entschieden? Die Vorgehensweise der Verantwortlichen nimmt ja schier diktatorische Züge an. Wer den VfB und seine Fans kennt, der weiß, worüber sich die Fans aufregen. Dieser Beschnitt der FanKultur in Oldenburg ist absolut lächerlich und nicht nachvollziehbar. Ich hoffe inständig, dass die Leute, die sich diese Verordnung überlegt haben, sich noch einmal zusammen setzen und diese schnellstmöglich dorthin befördern, wo sie in meinen Augen hingehört: In die Rundablage-P.

    James (stinksauer)…

  5. 5 Dirstar - 19. August 2008 um 14:27 Uhr

    Die Begründung ist vollkommen aus der Luft gegriffen!
    Ich bin Familienvater und habe des öfteren meinen Sohn (7 Jahre) mit im Stadion. Ich habe noch nie auch nur einmal Angst gehabt, ihm könnte irgend etwas passieren, außer vielleicht hier oder dort mal ein nicht ganz angebrachtes Schimpfwort aufzuschnappen!
    Die Stadt und die Polizei wäre in diesem Fall gut beraten, dieses Verbot rückgängig zumachen. So etwas nenne ich Willkür!

  6. 6 VfBer - 19. August 2008 um 15:33 Uhr

    So ein Dreck, da fragt man sich doch was als nächstes kommt.
    Die Stadt und Polizei haben auch nix besseres mehr zu tun als Leute zu schikanieren mit schwachsinnigen Verordnungen !!!!!
    Hoffentlich wird die Vereinsführung das bald wieder gerade rücken ….

  7. 7 CdPLINK - 19. August 2008 um 17:19 Uhr

    Wir sind ein kleiner Fanclub, der aber mit der Zaunfahne bei jedem Spiel (seit Jahren) zeigt, dass er dabei ist. Die Spieler haben mir versichert, dass sie unsere Fahne jedesmal wahrnehmen und wissen, die feuern uns heute wieder an. Das Verbot von Zaunfahnen geht einer gehobenen Fussball-Kultur entgegen und zeigt, hier haben Leute etwas voreilig entschieden und das ganze nicht durchdacht. Also, schnell diese Entscheidung zurücknehmen und wir wollen nicht länger darüber reden. Alles andere ist nicht akzeptabel und wir würden das niemals hinnehmen.

  8. 8 Suppenkasper - 19. August 2008 um 17:26 Uhr

    Was wäre die Werbung ohne die Fans und was wären die Fußballmillionäre ohne sie? Darüber müssen aber weder Verein noch Stadt Oldenburg nachdenken, darüber müssen ganz einfach mal alle Fans nachdenken!

  9. 9 der! Mel - 19. August 2008 um 18:17 Uhr

    Wann sollte das Schalverbot nochmal kommen? ;-)

    Für alle Beteiligten, man sollte das immer mit zwei Augen sehen, denke ich alles in Maßen. Gut finde ich die Kreativität der Fans. Schade finde ich, dass einige “schwarze” Schafe solche Verordnungen heraufbeschwören.
    Wer hat die Verordnung gelesen? Wo ist diese einzusehen?

  10. 10 1897 - 19. August 2008 um 23:16 Uhr

    Die Scheiße ist so lächerlich !!!!!!!
    Gehts der Stadt und den Bullen noch gut ?!?
    Mal wieder Fußballfans unbegründete Repression aufzuerlegen, aber das ist ja leider nichts neues.

  11. 11 OLDigitalEye - 20. August 2008 um 08:33 Uhr

    Diejenigen diese Sportstättenverordnungen durchsetzen sind im Zweifelsfall sicher genau dieselben, die sich sehr viel Gedanken darüber machen, ob wir in Oldenburg einen Cricketplatz brauchen oder eben nicht.

    Man ist also auf der Höhe der Zeit!

    Weil ich da doch erhebliche Lücken in der Übersicht über die Belange und Interessen der aktiven Sportler und auch Fangruppen vermuten muss, habe ich einmal aus meinem Archiv ein wenig von dem herausgesucht, was an Kreativität und Initiative mit Bannern und Fahnen so übers Jahr angestellt wird. Beim VfB gibt es sicher rund ein Dutzend und mehr Fangruppen, die diese Banner als ihre Erkennungszeichen erstellt haben. Darüber hinaus gibt es noch die sogenannten “Choreos”, Choreographien, die bei besonderen Duellen für zusätzliche bunte Effekte vor dem Spiel sorgen. Darauf zu verzichten, bedeutet für alle Fußballfans einen großen Verlust an Attraktivität gerade des Fußballs um die Ecke und gleichzeitig geht mit der verlorenen Fankultur auch ein erhebliches Maß an durchaus sinnvoller Freizeitbeschäftigung verloren. Für Menschen, die in dem VfB und anderen Vereinen ihren Freizeitmittelpunkt sehen.
    In der Stadt der Sportvereine, wie die Beteiligten aus der Politik immer so sehr betonen! Wenn Wahlen anstehen, stehen sie wieder Schlange bei den Sportvereinen…
    Also, schaut euch einmal an, was es bedeuten würde, wenn den Fans diese Tradition genommen würde:
    http://www.flickr.com/photos/oldigitaleye/collections/72157605601217818/

  12. 12 OLDigitalEye - 27. August 2008 um 12:26 Uhr

    Prima Entwicklung im Fall der Banner im Marschwegstadion.
    Gerade ist folgende Stellungnahme auf der HP des VfB nachzulesen:

    “Einigung um die Zaunfahnen
    Der VfB Oldenburg möchte sich für die konstruktiven Diskussionen, Vorschläge und Ideen im Forum bedanken.
    Erfreuliches Ergebnis: Der VfB konnte mit der Polizei Oldenburg einen Kompromiss beim Aufhängen von Zaunfahnen erzielen.

    Die Zaunfahnen dürfen in Zukunft mit folgenden Einschränkungen wieder aufgehangen werden:

    1. Die Fahnen müssen so hoch wie möglich am Zaun angebracht werden, damit ein Sichtfenster zwischen Werbebande und Fahne von mindestens 40 cm entsteht.
    2. Die Fahnen dürfen nicht vor die Fluchttore gehangen werden. Die Tore müssen im Notfall jederzeit zu öffnen sein und dürfen daher nicht verhangen werden.
    3. Diese Regelung ist nur für die aktuelle Spielzeit gültig. Im Falle eines Aufstieges oder Änderungen der Regularien bzgl. Zaunfahnen in der 5. Liga ist der Verein gezwungen, die Vorgaben des Verbandes einzuhalten.

    Wir hoffen, dass mit diesem Kompromiss alle Seiten zufrieden sind und würden uns freuen, wenn man sich nun wieder mit allen Kräften auf die sportlichen Ziele konzentrieren kann.”

    erstellt am 27.08.2008

    So hat also einerseits der Einsatz der Fans für ihre Passion Erfolg und andererseits ist mit den Ordnungskräften und den Vereinsvertretern ein gangbarer Kompromiss gefunden. So sollte es sein. Wir dürfen davon ausgehen, dass die vielen Fangruppen sich mit dieser Lösung einverstanden erklären werden.

  13. 13 rr - 30. August 2008 um 12:42 Uhr

    aufgeschoben ist nicht aufgehoben!
    damit ist das problem aber nicht aus der welt, weil das verbot weiterhin besteht und nur diese saison (beim vfb) nicht angewendet wird. mal davon abgesehen, dass ich nicht glaube, dass der vfb aufsteigt, kann in der nächsten saison per aufkündigung dieses kompromisses (auch aus der bloßen laune eines/einer verantwortlichen heraus) das ganze theater wieder von vorne los gehen. deshalb heißt es: sich nicht zurücklehnen und genießen sondern weiter am thema bleiben – diese verordnung muss weg!
    fußball ohne fans ist wie die nwz – einfach sinnlos
    sitzen ist fürn arsch

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