Ort ändern Anmelden|» RSS Feed
Freitag, den 18. Mai 201206:46 Uhr

Leise Ausstellung im Edith Ruß Haus für Medienkunst

17.07.2007, Beitrag von

Obwohl der Kultursommer ja so viel wichtiger ist, möchte ich doch auf eine Ausstellung aufmerksam machen, die unaufdringlich und leise ist, aber doch ungewöhnliche neue Blicke auf das Medienkunstgeschehen ermöglicht.Mit KORPYS / LÖFFLER_CORINNA SCHNITT werden während der Sommermonate zwei individuelle künstlerische Positionen auf den beiden Etagen des Ausstellungshauses vorgestellt:

Das Künstlerduo Andree Korpys und Markus Löffler arbeitet mit Videofilmen, Fotografien, Zeichnungen und Installationen, in denen sie dokumentarische und fiktive Elemente zu neuen Erzählungen kombinieren,

Korpys / Löffler, Für ein Leben nach dem Tod, 2006

In ihren medialen Inszenierungen stellen Korpys / Löffler assoziative und inhaltliche Bezüge zu realen gesellschaftspolitischen Themenfeldern her, wobei ihr Blick zumeist auf Nebensächlichkeiten und Details zielt. So stellen sie die Inszenierungen der uralten Institution Kirche und ihrer Macht anhand von Events des Papstes Johannis Paul II mit einem ungewöhnlichen Blick auf die wartenden und arbeitenden Journalisten und scheinbarer Nebensächlichkeiten dar, die ins Zentrum der Arbeit rücken und damit einen neuen Blick auf diese Events erlauben

Corinna Schnitt, Stipendiatin des Edith-Ruß-Hauses im Jahr 2006, seziert in ihren Videoarbeiten Beziehungen zwischen Mensch und Gesellschaft und befasst sich dabei auch mit der Frage, wie wir unsere Wirklichkeit umgestalten. Dabei erfährt die meist kleinbürgerlichen Fassade des scheinbar Alltäglichen und Banalen Irritationen, ein scharfer Blick oder eine überraschende Wendung legen unterschwellige Konflikte frei. Besonders gefallen hat mir eine Arbeit, in der das perfekte Paar vorgestellt wird. Alles an dieser Vorstellung des Paares, die vor dem perfekten Hintergrund einer Traumvilla stattfindet, scheint dem Idyll einer Kleinfamilie zu entsprechen, alles ist schön, über gelungene Kinder wird berichtet. Doch man beginnt der Idylle zu misstrauen. Und natürlich ist alles inszeniert.

In der Ausstellung sind aktuelle Videoarbeiten der Künstlerin zu sehen sowie eine für das Edith-Ruß-Haus für Medienkunst entwickelte neue Videoinstallation. Schauplatz ist ein Spielplatz, der aus seinem gewohnten urbanen Umfeld isoliert erscheint. Der eigentlich vertraute Anblick wird zur unwirklichen und fremdartigen Kulisse und verweist darauf, dass hier das Kinderspiel durch Strukturen, die von Erwachsenen erdacht worden sind, gelenkt wird.

Der Ausstellungsbesuch erfordert ein bisschen Zeit um sich auf die Arbeiten einzulassen, doch die Mühe lohnt sich.

Aktualisiert am 17. Juli 2007

1 Punkt2 Punkte3 Punkte4 Punkte5 Punkte [Ø 3,42]
Diesen Beitrag per E-Mail versenden Diesen Beitrag ausdrucken Diesen Beitrag kommentieren   » 1 Kommentar
 

1 Kommentar zu “Leise Ausstellung im Edith Ruß Haus für Medienkunst”

  1. 1 Ole - 17. Juli 2007 um 15:56 Uhr

    Die Ausstellung habe ich auch gesehen. Sie ist wirklich interessant, aber tut euch allen einen Gefallen und nehmt eine Führung (meistens Sonntags um 15:00 Uhr)! Denn alleine steht man manchmal etwas hilflos davor und fragt sich, was soll das? Während ich bei der Führung einige Aha-Erlebnisse hatte :-) .

Schreibe einen Kommentar

Bitte fülle das Kommentar-Formular möglichst vollständig aus. Die mit einem Stern gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.

Netiquette
Bei der Kommentarabgabe ist die in Blogs, Foren und auch bei Newsgroups übliche Netiquette zu wahren. Du kommunizierst hier mit anderen Menschen, daher bitten wir Dich von Beleidigungen, Beschimpfungen oder ähnlichem abzusehen. Bei Missachtung der Netiquette muss mit Ermahnung bzw. Löschung des Kommentars seitens der Ansprechpartner gerechnet werden. Als "erzieherische" Maßnahme kann ebenso die Möglichkeit Kommentare abzugeben abgeschaltet werden.

NEU: Interaktive Karte

Suchen, finden, entdecken und ergänzen. Das bietet unsere neue interaktive Karte ab sofort.

» Die Top 10 Redakteure

Seite drucken zum Seitenanfang